Wenn es bei Roland Koch heißt: “Unsere Post ist da!”

Von: gerhard.altenhoff@giordano-bruno-institut.de
An: r.koch@ltg-hessen.de

Datum: 15.01.08 00:27:15

Betreff: Verschärfung des Jugendstrafrechts

Date: Tue, 15 Jan 2008 00:27:15 +0100

Message-Id: <803961932@web.de>

Lieber Roland Koch,

alle Geister sind noch da, alle Geister alle…

vor allem die bösen (inderholle.jp). - Anders kann ich mir Ihren Fedlzug gegen “kriminelle Jugendliche” nicht vorstellen.

Selbstverständlich verhalten sich die “selbstgleichgeschalteten” Medien so, wie Goebbels es von ihnen per “Machtwort” verlangen würde.

Ein paar versprengte Juristen haben eine Resolution gegen die Verschärfung des Jugendstrafrechts unterschrieben. - Die gehören offensichtlich nicht zu den “furchtbaren Juristen”, auf die sich auch ein Roland Küchenbulle im Regelfall verlassen kann.

Wie dem auch sei, wenn der Roland Koch etwas gegen die ausufernde Gewalt unter Jugendlichen tun will, dann sollte er da anfangen, wo man bei der Lösung von Problemen gemeinhin anfängt: bei der Forschung. Der Roland Küchenbulle kann, bevor er weiterhin seinen Bullshit in die Medien absondert, mit seinen Forschungsarbeiten hier und jetzt anfangen:

Die Erziehung zum Schläger

Über die lebenslangen Folgen eines emotional unzureichenden elterlichen Verhaltens und speziell über seine ursächliche Bedeutung für die Aggressivität eines Kindes läßt sich manches aus Langzeitstudien entnehmen, wie sie im Norden des Bundesstaates New York an 870 Kindern durchgeführt wurden, die man vom achten bis zum dreißigsten Lebensjahr beobachtete.10 Die aggressivsten Kinder - diejenigen, die am schnellsten einen Streit anfingen und ihren Willen gewohnheitsmäßig mit Gewalt durchsetzten - brachen am ehesten die Schule ab und waren mit 30 Jahren wegen Gewaltverbrechen vorbestraft. Außerdem schienen sie ihre Neigung zur Gewalt weiterzugeben: Ihre Kinder waren in der Grundschule genau wie die Unruhestifter, die ihre straffällig gewordenen Eltern gewesen waren.

Aus der Art, wie Aggressivität von einer Generation zur anderen weitergegeben wird, kann man etwas lernen. Angeborene Neigungen einmal ausgeschlossen, verhielten sich die Unruhestifter als Erwachsene in einer Weise, die das Familienleben zu einer Schule der Aggression machte. Als Kinder hatten sie Eltern, die sie mit willkürlicher, unerbittlicher Strenge erzogen; als Erwachsene verhielten sie sich genauso, und zwar unabhängig davon, ob der Vater oder die Mutter in ihrer Kindheit als hochgradig aggressiv identifiziert worden war. Aus aggressiven kleinen Mädchen wurden Mütter, die genauso hart straften wie die aggressiven Jungen als Väter. Und abgesehen davon, daß sie ihre Kinder mit ausgesuchter Strenge bestraften, zeigten sie ansonsten kaum Interesse am Leben ihrer Kinder, ja, sie ignorierten sie weitgehend. So boten diese Eltern ihren Kindern ein lebendiges und gewalttätiges Beispiel der Aggressivität, ein Vorbild, das die Kinder in die Schule und auf den Spielplatz mitnahmen und dem sie ihr Leben lang folgten. Es war nicht unbedingt so, daß die Eltern böswillig waren oder nicht das Beste für ihre Kinder wollten; sie wiederholten vielmehr nur den Erziehungsstil, den ihre eigenen Eltern ihnen vorgelebt hatten.

Die Kinder erhielten nicht bloß dieses gewalttätige Vorbild, sie wurden außerdem willkürlich bestraft; waren die Eltern schlecht gelaunt, wurden sie streng bestraft, waren sie gut gelaunt, konnte es vorkommen, daß sie sich zu Hause schwere Körperverletzungen holten. Die Bestrafung hing also nicht so sehr davon ab, was das Kind getan hatte, sondern davon, wie die Eltern sich gerade fühlten. Das ist genau das Rezept, das bei Kindern das Gefühl erzeugt, wertlos und hilflos zu sein, und ein Gefühl, daß überall Gefahren lauern, die jederzeit zuschlagen können. Die kämpferische und herausfordernde Haltung, die diese Kinder gegenüber der Welt einnehmen, ist, auch wenn man sie mißbilligen muß, im Lichte der häuslichen Erfahrungen, von denen sie erzeugt wird, bis zu einem gewissen Grade verständlich. Wenn man allerdings sieht, wie früh diese entmutigenden Lektionen gelernt werden und wie grausam die Folgen für das Gefühlsleben des Kindes sein können, kann man den Mut verlieren.

Mißhandlung: die Vernichtung der Empathie

Im wilden Getiimmel der Kindertagesstätte streifte Martin, knapp zweieinhalb, ein kleines Mädchen, das unerklärlicherweise zu weinen begann. Martin griff nach ihrer Hand, doch als sie die Hand zurückzog, schlug Martin ihr auf den Arm.

Als ihre Tränen nicht versiegten, schaute Martin weg und schrie: »Hör auf damit! Hör auf damit!«, immer wieder, jedesmal schneller und lauter.

Martin machte dann einen erneuten Versuch, sie beruhigend zu tätscheln, doch wieder sträubte sie sich. Jetzt bleckte Martin seine Zähne wie ein knurrender Hund und zischte das schluchzende Mädchen an.

Ein weiteres Mal begann Martin, dem weinenden Mädchen auf die Schulter zu klopfen, doch die leichten Klapse verwandelten sich rasch in wütende Faustschläge, und obwohl das arme kleine Mädchen gellend schrie, schlug Martin unablässig auf sie ein.

Diese beunruhigende Szene zeigt, wie Mißhandlung - die wiederholte Erfahrung, von den Eltern nach Lust und Laune geschlagen zu werden - die natürliche Neigung des Kindes zur Empathie verbiegen kann.11 Martins sonderbare, geradezu brutale Reaktion auf den Kummer seiner Spielkameradin ist typisch für Kinder wie ihn, die seit der frühen Kindheit selbst Opfer von Schlägen und anderen körperlichen Mißhandlungen gewesen sind. Die Reaktion steht in völligem Gegensatz zu den bei Kindern üblichen mitfühlenden Bitten und Bemühungen, einen weinenden Spielkameraden zu trösten, die wir im 7. Kapitel besprochen haben. In Martins gewalttätiger Reaktion im Kindergarten könnten sich durchaus die Lektionen spiegeln, die er zu Hause gelernt hat, wenn er Tränen und Kummer zeigte: Auf Weinen wird zunächst mit einer kurzen tröstenden Geste reagiert, aber wenn er nicht aufhört, folgen böse Blicke und wütendes Geschrei, dann Schläge und schließlich regelrechte Prügel. Das Beunruhigendste ist wohl, daß es Martin an der einfachsten Empathie zu fehlen scheint, der instinktiven Einstellung der Aggression gegen jemanden, der verletzt ist. Er zeigt mit zweieinhalb Jahren im Ansatz die moralischen Impulse eines grausamen und sadistischen Rohlings.

Die Bösartigkeit, die Martin anstelle von Empathie zeigte, war typisch für Kinder wie ihn, die schon in diesem zarten Alter von schweren physischen und emotionalen Mißhandlungen im Elternhaus gezeichnet sind. Martin gehörte zu einer Gruppe von neun solchen mißhandelten Kindern zwischen ein und drei Jahren, die in seiner Tagesstätte zwei Stunden lang beobachtet wurden. Zum Vergleich beobachtete man neun andere Kinder, die ebenfalls aus ärmlichen, stark belasteten Familien stammten, aber nicht körperlich mißhandelt worden waren. Die beiden Gruppen reagierten völlig unterschiedlich, wenn ein anderes Kind sich weh getan hatte oder aufgeregt war. In 23 derartigen Fällen reagierten fünf der neun nicht mißhandelten Kinder auf den Kummer eines anderen mit Anteilnahme, Traurigkeit oder Empathie. Doch in den 27 Fällen, in denen die mißhandelten Kinder sich ebenso hätten verhalten können, zeigte keines auch nur die geringste Anteilnahme; statt dessen reagierten sie auf ein weinendes Kind mit Äußerungen von Furcht und Zorn oder, wie Martin, mit physischer Gewalt.

Ein mißhandeltes kleines Mädchen warf zum Beispiel einem anderen, das in Tränen ausgebrochen war, wütende, drohende Blicke zu. Der einjährige Thomas, auch eines der mißhandelten Kinder, erstarrte vor Angst, als er in der anderen Zimmerecke ein Kind weinen hörte; er saß vollkommen regungslos da, mit angsterfülltem Blick, starr aufgerichtet, und seine Spannung wuchs, als das Weinen nicht aufhörte - so als erwarte er, selbst angegriffen zu werden. Und die ebenfalls mißhandelte 28 Monate alte Kate war geradezu sadistisch: Sie nahm sich den kleineren Joey vor, trat ihn, daß er hinfiel, und als er dalag, schaute sie ihn zärtlich an und begann, ihm sanft auf den Rücken zu klopfen; dieses Klopfen verstärkte sich ohne Rücksicht auf sein Jammern zu immer heftigeren Schlägen. Sie schlug noch sechs- oder siebenmal auf ihn ein, bis er wegkrabbelte.

Natürlich behandeln diese Kinder andere so, wie sie selbst behandelt worden sind. Und die Gefühllosigkeit dieser Kinder ist bloß eine Verschärfung derjenigen, die man bei Kindern beobachtet, die von ihren Eltern ständig getadelt, bedroht und hart bestraft werden. Auch diese Kinder zeigen keine Anteilnahme, wenn Spielkameraden sich weh tun oder weinen; sie bilden offenbar das eine Ende eines Kontinuums der Gefühlskälte, das in der Brutalität der mißhandelten Kinder gipfelt. Im weiteren Leben ist zu erwarten, daß sie - als Gruppe genommen - kognitive Schwierigkeiten beim Lernen haben, aggressiv und unbeliebt bei ihren Altersgenossen sind (kein Wunder, wenn ihre Brutalität in der Vorschule ein Vorzeichen für Späteres ist), mehr zu Depressionen neigen und als Erwachsene mit dem Gesetz in Konflikt kommen und mehr Gewaltverbrechen begehen.12

Dieser Mangel an Empathie läßt sich manchmal, wenn auch nicht oft, über mehrere Generationen zurückverfolgen; man stößt auf brutale Eltern, die in der Kindheit von ihren Eltern brutal behandelt wurden.13 Er steht in eindringlichem Gegensatz zu der Empathie, die man gewöhnlich bei Kindern von Eltern antrifft, die fürsorglich sind und ihr Kind ermutigen, Anteilnahme an anderen zu zeigen und zu verstehen, was andere bei Bösartigkeit empfinden müssen. Diese Kinder werden nicht zur Empathie angehalten und lernen sie offenbar überhaupt nicht.

Das vielleicht Beunruhigendste an den mißhandelten Kindern ist, wie früh sie anscheinend gelernt haben, wie verkleinerte Versionen ihrer mißhandelnden Eltern zu reagieren. Aber angesichts der Prügel, die sie bisweilen als tägliche Kost verabreicht bekamen, sind die emotionalen Lektionen allzu klar. Erinnern wir uns, daß gerade dann, wenn die Leidenschaften hohe Wellen schlagen oder eine Krise unmittelbar bevorsteht, die primitiven Neigungen der limbischen Hirnzentren in den Vordergrund treten. In solchen Momenten setzen sich im Guten wie im Bösen die Gewohnheiten durch, die das emotionale Gehirn gelernt

hat.

Die Tatsache, daß das Gehirn selbst durch Brutalität - oder durch Liebe - geformt wird, läßt die Kindheit als ein spezielles Fenster der Gelegenheit für emotionale Lektionen erscheinen. Diese geprügelten Kinder haben früh und regelmäßig ihre Traumata verpaßt bekommen. Man lernt den emotionalen Lernprozeß, den diese mißhandelten Kinder durchgemacht haben, vielleicht am besten verstehen, wenn man sieht, was für bleibende Eindrücke das Trauma manchmal im Gehirn hinterläßt - und daß sogar diese grausamen Eindrücke getilgt werden können.

(Daniel Goleman, Emotionale Intelligenz, 7.Auflage, München 1998, s. 248ff)

Für weitergehende Fragestellungen wenden Sie sich vertrauensvoll an die kriminologischen Institute der deutschen Universitäten oder das Giordano-Bruno-Institut für rechtswissenschaftliche Grundlagenforschung.

Ein Blick auf die Homepage des Instituts für experimentelle Wirtschaftsforschung der Uni Zürich (liegt in der Schweiz!) könnte sich auch als hilfreich erweisen. Denn die Forschungsgruppe um Prof. Ernst Fehr, insbesondere Dominique de Quervain hat herausgefunden, daß beim Strafen das Belohnungszentrum im Gehirn besonders aktiv ist. - Aktivitäten, die das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren, gelten als besonders suchtgefährdend. - Strafen macht süchtig!

Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Altenhoff

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Und jetzt erwartet alle Welt ein “Machtwort” von Frau Kanzleramtsbesetzerin Merkel. Machte die in der Vergangenheit nur Worte, macht auch ein Machwort nichts…

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